Fähre kommt vom Kurs ab

Auf den Schiffen zwischen Romanshorn und Friedrichshafen zahlen praktisch alle Passagiere nur noch in Euro. Die Bodensee Schifffahrtsgesellschaft hat dadurch bis jetzt mehrere hunderttausend Franken verloren. Jetzt handelt sie.

Der starke Franken trifft die Schweizerische Bodensee Schifffahrtsgesellschaft (SBS) hart. Sie betreibt zusammen mit den Schiffsbetrieben Konstanz die Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen, wo die Passagiere in Schweizer Franken oder Euro zahlen können. Und genau diese Wahlfreiheit kommt der SBS teuer zu stehen. Seit Anfang Jahr hat sie deswegen bis jetzt zwischen 300 000 und 500 000 Franken verloren.

Denn die Preise wurden im letzten Herbst bei einem Euro-Kurs von 1.50 Franken festgelegt. Mittlerweile ist die Einheitswährung aber viel weniger wert, die Preise auf der Fähre sind aber unverändert geblieben, weil es nicht so einfach ist, sie zu ändern. Folge: Auch fast alle Schweizer kaufen ihr Ticket heute mit Euro-Scheinen, weil sie damit 30 Prozent günstiger fahren. SBS-Verwaltungsratspräsident Hermann Hess spricht vom «Media-Markt-Effekt».

Preise werden angepasst

Bei der SBS ist jetzt die Schmerzgrenze erreicht. «Wir können nicht länger zuschauen», sagt Hess. Beim Personal zu sparen, gehe nicht. «Wir haben keine Reserven mehr.» Und die in Aussicht gestellte Staatshilfe für die darbende Wirtschaft beanspruchen will der freisinnige Hess nicht. «Ich kann nicht als Nationalratskandidat Freiheit und Eigenverantwortung predigen und als Unternehmer bei der erstbesten Gelegenheit das Gegenteil tun.»

Es laufen deshalb im Moment Verhandlungen mit den Schiffsbetrieben Konstanz, die Preise der extremen Währungsentwicklung anzupassen. Ziel ist, die Wechselkursdifferenz so klein zu machen, dass die Schweizer ihr Billett auf der Fähre wieder in der Landeswährung zahlen. Dazu sollen die Franken-Preise etwas gesenkt und die Euro-Preise etwas angehoben werden. Genaueres konnte Hess noch nicht sagen.

Die Chancen auf eine Einigung stehen aber gut gemäß Oberkapitän Erich Hefti, der die Gespräche mit den Konstanzern führt. Nächste Woche findet ein weiteres Treffen statt, bei dem die neuen Tarife definitiv verabschiedet werden sollen.

Appell an Passagiere

Wechselkursgewinne habe die SBS wegen der Frankenstärke kaum, sagt Hess. 90 Prozent der Kosten begleiche die SBS in Schweizer Franken. Einzig beim Treibstoff würden sie von der aktuellen Situation etwas profitieren, doch hätten sie wenig davon wegen der steigenden Sprit-Preise.

Hess appelliert eindringlich an die Passagiere, auf der Fähre künftig wieder mit Schweizer Franken zu zahlen. Das sei die Währung, in der die SBS die Mitarbeiter entlöhne und Lieferantenrechnungen begleiche. «Wir legen großen Wert auf inländische Produkte», betont Hess.

Umbau Hauptsitz hat begonnen

Trotz der währungsbedingten Verluste hat die SBS wie geplant Mitte August mit den Sanierungs- und Umbauarbeiten des Hauptsitzes am Romanshorner Hafen begonnen. «Die Aufträge werden so weit als möglich in der Region vergeben und helfen, Arbeitsplätze zu sichern», sagt Hess.

Die Entwicklung der letzten Monate bleibt aber nicht ganz ohne Folgen für das Bauprogramm: «Wegen der Euro-Schwemme sind wir gezwungen, einzelne Aufträge im Euro-Raum zu vergeben», erklärt der Verwaltungsratspräsident. Die neue Küche wird voraussichtlich von einem deutschen Hersteller geliefert. «90 Prozent der Investition von 7 Millionen Franken verbleibt aber in der Schweiz», stellt Hess klar.

Mitte des nächsten Jahres soll die erste Bauetappe abgeschlossen sein, sechs Monate später die zweite. Es entstehen unter anderem neue Büros und Verkaufsflächen für Dritte.

(Markus Schoch/St. Galler Tagblatt v. 20.08.11)

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